Eine paddelnde Versammlung

Rechte der Spree— vom Oberlauf bis Berlin

Cottbus → Berlin · 01.–06. Juni 2026

Sechs Tage am Fluss, fünf Paddel-Etappen, ein erster Pilot der Initiative Rechte der Spree. Wir paddeln die Spree hinunter, hören dem Fluss zu, laden zu drei öffentlichen Veranstaltungen in Cottbus, Lübbenau und am Spreepark Plänterwald ein. Mitkommen und Mitwirken geht in mehreren Formen.

Mitmachen
Die Reise

Sechs Tage, ein Fluss

Rund 90 Kilometer auf dem Wasser, zwei Sprünge, drei öffentliche Veranstaltungen, Anlandung am Samstag im Spreepark Plänterwald.

  1. Mo · 01.06. Auftakt — Strombad Cottbus 17:30 Paddeln auf der Spree durch Cottbus · 19:00–20:30 Gesprächsrunde »Was wäre, wenn die Spree sprechen könnte?« am Strombad Cottbus. Öffentlicher Auftakt der Tour, alle willkommen. Stadtrunde
  2. Di · 02.06. Cottbus → Burg Start morgens an der Spreewehrmühle Cottbus. Einsetzen am Oberlauf, hinein in den Spreewald. ~ 27 km
  3. Mi · 03.06. Burg → Lübbenau Durch das obere Fließnetz. Abends 19:00 Gesprächsrunde »Was wäre, wenn die Spree sprechen könnte?« am Großen Spreewaldhafen Lübbenau. Mit lokaler Presse und lokalen Vertreter*innen der Spree. ~ 16 km
  4. Do · 04.06. Lübbenau → Lübben Durch die Spreewald-Fließe, dichte Landschaft. Ende des ersten Tour-Abschnitts. Nachmittags/abends Transfer nach Fürstenwalde-West, Übernachtung dort. ~ 14 km
  5. Fr · 05.06. Fürstenwalde-West → Erkner Auf der Müggelspree von Fürstenwalde-West nach Erkner. ~ 25 km
  6. Sa · 06.06. Köpenick → Spreepark Plänterwald Vormittags Transfer Erkner → Köpenick, dann das letzte Stück durch die Stadt. Der rbb begleitet uns mit einem Kamerateam für eine Doku über die Initiative Rechte der Spree. Nachmittags öffentliches Programm am Spreepark — Uhrzeit und genauer Ort werden noch bekannt gegeben. ~ 9 km

Zu den beiden Sprüngen. Der Spree-Abschnitt zwischen Lübben und Fürstenwalde-West (über Schwielochsee und Beeskow) würde mehrere zusätzliche Tage Paddelzeit verlangen — wir springen direkt in den stadtnahen Spree-Lauf. Den zweiten Sprung zwischen Erkner und Köpenick setzen wir bewusst, damit der letzte Tag nicht erschlägt und in Berlin Raum für Anlandung und öffentliches Programm bleibt.

Drei Teile, ein Fluss

Was uns auf der Strecke begegnet

Die Spree zeigt unterwegs drei sehr verschiedene Gesichter — vom extraktiven Oberlauf über die Lebenswelt Spreewald bis zur Trinkwasser-Stadt Berlin.

Etappe 1 · Cottbus

Oberlauf

Lausitz und Cottbus. Hier werden wichtige Themen sichtbar — Braunkohleausstieg, Sulfatfracht aus den Tagebauten, ein prognostizierter Wasserverlust von bis zu zwei Dritteln des Spreewassers pro Jahr. Wir starten dort, wo extraktive Wirtschaft ihren langen Schatten wirft.

Etappen 2–3 · Spreewald

Sprjewja

Biosphärenreservat, sorbisches Sprachgedächtnis, Wasser als Infrastruktur und Sprache zugleich. Im Niedersorbischen heißt die Spree Sprjewja, die Sprühende — ein über Jahrhunderte gewachsenes Verhältnis steckt im Namen.

Etappe 5 · Berlin

Spreepark Plänterwald

Samstag in Treptow. Wochenende, Stadt, Öffentlichkeit. Die Berliner Trinkwasserversorgung hängt wesentlich von Spree und Havel ab — die Frage nach den Rechten der Spree ist damit zugleich eine Frage der städtischen Daseinsvorsorge. Der rbb begleitet die Anlandung mit einem Kamerateam für eine Doku über die Initiative.

Mitkommen, mitmachen, Teil geben

Drei Möglichkeiten, Teil zu werden

Die Tour wächst mit ihren Mitreisenden. Ob für eine Etappe, einen Abend an der Anlandung oder mit einem lokalen Faden — du bist gemeint.

Paddeln

Drei Tour-Abschnitte mit eigenen Einstiegspunkten — Kajakwechsel jeweils in Cottbus, Fürstenwalde-West und Köpenick. Wer mitpaddelt, sollte bis zum Ende des jeweiligen Abschnitts dabei bleiben:

  • Cottbus → Lübben · Di–Do, Spreewald
  • Fürstenwalde-West → Erkner · Fr, Müggelspree
  • Köpenick → Spreepark Plänterwald · Sa, Anlandung in Berlin

Etwas Kajak-Erfahrung sollte sein — oder du steigst mit Menschen ins Boot, die welche mitbringen. Bootsplätze sind begrenzt, deshalb bitten wir um Anmeldung.

An die Anlandung kommen

Drei öffentliche Veranstaltungen mit Gespräch, lokalen Stimmen, gemeinsam am Fluss:

  • Mo 01.06. · Strombad Cottbus · 19:00–20:30 · »Was wäre, wenn die Spree sprechen könnte?«
  • Mi 03.06. · Großer Spreewaldhafen Lübbenau · 19:00 · »Was wäre, wenn die Spree sprechen könnte?«
  • Sa 06.06. · Spreepark Plänterwald, Berlin · nachmittags, Uhrzeit und genauer Ort werden noch bekannt gegeben

Anmeldung hilft uns planen, ist aber keine Pflicht.

Mit-Wirken

Du kennst ein Quartier auf der Strecke, eine Gaststätte mit Hinterzimmer, Pressekontakte oder eine Geschichte vom Fluss aus deiner Ecke? Du bist Künstler*in, Wissenschaftler*in, Sorb*in und möchtest dabei sein? Schreib uns.

Was du mitbringst

Wir sind weitgehend im Camping-Stil unterwegs — bitte Zelt, Schlafsack und Verpflegung mitbringen. Ein paar feste Quartiere für einzelne Etappen recherchieren wir noch. Genaueres geht rechtzeitig vor der Tour an alle Angemeldeten raus.

Eigene Kosten

Übernachtung je nach Ort etwa 20–80 € pro Nacht, Kajakmiete rund 25 € pro Paddeltag. Diese Kosten tragen Teilnehmende selbst — die Initiative trägt Programm, Vorbereitung und Dokumentation.

Mit-finanzieren

Du möchtest uns als Sponsor*in unterstützen — eine Etappe, ein Künstler*innen-Honorar, die Doku-Kosten? Wir freuen uns über jede Form von Beitrag. Schreib uns gerne direkt.

Sponsor*in werden
Großzügig unterstützt von
Warum eine paddelnde Versammlung?

Vom Argument zum Wasser

Das Argument für Naturrechte ist abstrakt schwer zu halten. Es lebt davon, dass Menschen in tatsächlichen Kontakt mit einem Wasserkörper treten — mit einem Fluss, der eigene Zeitlichkeit hat, eigene Geräusche, eigene Krankheitssymptome.

Hintergrund lesen

Die Bewegung für Naturrechte ist inzwischen über zwei Jahrzehnte alt und hat konkrete Spuren in den Rechtssystemen der Welt hinterlassen. Ecuador hat 2008 als erster Staat die Natur als Rechtssubjekt in seine Verfassung aufgenommen; Neuseeland hat 2017 dem Whanganui-Fluss eigene Rechte zuerkannt; das kolumbianische Verfassungsgericht hat 2016 den Río Atrato als Rechtsperson anerkannt; und Spanien hat 2022 dem Mar Menor als erstem Ökosystem in Europa eigene Rechte gegeben — und das in einem säkular-westlichen Rechtssystem, ohne indigene oder spirituelle Begründung. 2024 hat der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte mit dem Gutachten OC-32/25 Natur als eigenständiges Rechtssubjekt im inter-amerikanischen System verankert. In rund vierzig Staaten wird inzwischen über Naturrechte debattiert, in mehr als zwanzig stehen entsprechende Gesetze oder Urteile. Die Frage hat sich gewandelt: sie betrifft inzwischen die konkrete Verankerung solcher Rechte in europäischen Rechtsordnungen.

Warum die Spree?

In Deutschland steht das Thema bislang am Rand der politischen Debatte. Die Initiative Rechte der Spree, eingebettet in die naturraumbasierte Co-Hüterschaft Spree-Havel und getragen vom Verein Rechte der Natur e.V., arbeitet seit Herbst 2025 daran, einen konkreten Fall zu setzen. Die Spree eignet sich aus mehreren Gründen. Sie verläuft durch drei Bundesländer (Sachsen, Brandenburg, Berlin) und macht die Diskrepanz zwischen politischen Grenzen und ökologischen Realitäten unmittelbar sichtbar. Sie steht unter einem dokumentierten Druck: Braunkohleausstieg und die nachlaufende Sulfatfracht aus den hinterlassenen Tagebau-Kippen, Grundwasserabsenkung, PFAS-Belastung, regelmäßig erreichte Niedrigwasserschwellen. Und sie hat eine kulturelle Tiefe, die das Thema weit über die rein ökologische Frage hinaushebt — vom sorbischen Wassergedächtnis im Spreewald über die preußisch-industrielle Aneignung bis zur heutigen Berliner Trinkwasserabhängigkeit.

Warum eine Kajaktour?

Vieles über einen Fluss lässt sich leichter sagen, wenn man durch ihn — im wahrsten Sinne des Wortes — getragen wird. Mariluz Nova-Laverde und Edgar Pineda Martínez (Universidad La Salle, Bogotá) sprechen in ihrer kolumbianischen Forschung vom cuerpo-territorio: dem Erfahren von Territorium über den eigenen Körper. David Abram hat im Spell of the Sensuous beschrieben, wie die alphabetische Schrift die Bedeutung vom Körper getrennt und das Gespräch mit dem Mehr-als-Menschlichen hat verstummen lassen. Robin Wall Kimmerer schreibt von einer grammar of animacy — einer Sprache, in der der Fluss als lebendiges Gegenüber erscheint. Eine paddelnde Versammlung kehrt die Abstraktionsbewegung um. Sie bringt Menschen tagelang in körperlichen Kontakt mit dem Fluss, bevor über ihn gesprochen wird, und sie hat eine Dauer, die das Beobachtungsfenster gewöhnlicher Pressetermine sprengt.

Die drei Spreen

Die Strecke führt durch drei verschiedene Teile des Flusses, der unser Leben ist. Im Oberlauf um Cottbus ist der Schaden am sichtbarsten — Braunkohleausstieg, Sulfatfracht, Wasserverlust von bis zu sechzig Millionen Kubikmetern pro Jahr. Wir starten dort und sprechen mit Menschen aus der Region, die mit dem Fluss zu tun haben. Im Spreewald — Biosphärenreservat seit Anfang der 1990er Jahre, rund 480 Quadratkilometer Kernfläche, ein Wassernetz von etwa 1.000 Kilometern Fließen — ist Wasser zugleich Infrastruktur, Wirtschaftsgrundlage und Sprache. In Berlin landen wir am Samstag in Treptow. Die Berliner Trinkwasserversorgung hängt wesentlich von Spree und Havel ab — über Uferfiltrat und Grundwasseranreicherung, also über funktionierende Flussökosysteme. Die Frage nach den Rechten der Spree ist damit zugleich eine Frage der städtischen Daseinsvorsorge, mit erheblicher rechtlicher Reichweite.